Unter-Radisch

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Ortsansicht von Unter-Radisch
Flurplan von Unter-Radisch

Tschechischer Name: Radíkov, Dolní Radíkov

Fläche: 470 ha

Einwohner 1910: 343 in 66 Häusern (185 dt. Ew.), 1930: 286 in 65 Häusern (142 dt. Ew.), 1961: 108 (als Ortsteil von Radíkov). Angaben mit Neuwelt (Nový Svět). Neuwelt (Nový Svět) alleine: 1910: 116 in 22 Häusern (1 dt. Ew.), 1930: 82 in 20 Häusern (4 dt. Ew.).

heutige Gemeindezugehörigkeit: Český Rudolec (Böhmisch Rudoletz)

heutiger Verwaltungsbezirk: Jindřichův Hradec (Neuhaus)


Matriken: seit 1769 bei Modes (Matějovec)


Lage:

Das Straßendorf liegt 4 km nordwestlich von Böhmisch Rudoletz (Český Rudolec) und 12 km nordwestlich von Zlabings (Slavonice).


Geschichte.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1358. Ab 1568 gehörte Unter Radisch zur Herrschaft von Böhmisch Rudoletz (Český Rudolec)

1852 und 1866 erlitt Unter-Radisch jeweils durch Großfeuer ungeheuren Schaden. 1901 vernichtete Hagel die Ernte. Zwischen den beiden Dörfern Ober- und Unter-Radisch verlief die deutsch-tschechische Sprachgrenze. Ober-Radisch (Horní Radíkov) und Neu Welt (Nový Svět) waren bereits mehrheitlich tschechischsprachig.

Von den 1850er Jahren bis 1938 gehörte Unter Radisch zum politischen Bezirk Datschitz (Dačice) und zum Gerichtsbezirk Zlabings (Slavonice). Neuwelt (Nový Svět) war bis dahin eingemeindet. Anfang der 1920er Jahre wurde eine Straße nach Böhmisch Rudoletz (Český Rudolec) gebaut. Während der Zugehörigkeit zum nationalsozialistischen "Reichsgau Niederdonau" war es Teil des neu gebildeten Landkreises Waidhofen a.d. Thaya.

Die Zeit der Nachkriegsexzesse forderte zwei Todesopfer. Ein Mädchen wurde erschossen, weil sie sich gegen ihre Vergewaltigung wehrte. Eine Achtzigjährige erlag ihren Verletzungen, nachdem sie von einem Wagen gestoßen worden war. Am 8. Juni 1945 wurden alle 144 deutschen Bewohner des Ortes über Modes (Matějovec), Stallek (Stálkov) und Zlabings (Slavonice) nach Österreich vertrieben.

Unterradisch wurde später als Radíkov bei Böhmisch Rudoletz (Český Rudolec) eingemeindet.


Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Ackerbau (215 ha), Waldbewirtschaftung (144 ha), Viehzucht (234 Rinder).

Gewerbe: Gasthaus, Kaufhaus, Schmiede, Schreiner, Schneider. Am Oberen und Mittleren Hammerteich befand sich ein Eisenhammerwerk des Wölkinger Hüttenwerkes.

Einrichtungen: Schule (1854, 1789 erwähnt, deutsch und tschechisch), Armenhaus, Mühle, zuständiges Postamt in Böhmisch Rudoletz (Český Rudolec).


Kulturerbe:

Kapelle hl. Herz Jesu: erbaut 1883. Eingepfarrt nach Modes (Matějovec).


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