Ungarschitz

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Ansicht von Ungarschitz (Schloss)
Schloss Ungarschitz heute

Tschechischer Name: Uherčice, Uherčice u Znojma


Fläche: 427 ha

Einwohner 1910: 462 in 57 Häusern (383 dt. Ew.), 1930: 532 in 80 Häusern (65 dt. Ew.), 1961: 474 in 83 Häusern.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)


Matriken: seit 1655 bei Fratting (Vratěnín)


Geschichte:

von 1312 (erste urkundliche Nennung) bis 1493 im Güterbestand der Klosterherrschaft Oslawan als "Ungerschicz" mehrfach beurkundet, kam das damals verödete Dorf an die Kraiger von Kraig, die Ungarschitz im 16.Jahrhundert zum Mittelpunkt einer großen Herrschaft ausbauten. 1564 ist eine "Veste" nachgewiesen. Bald darauf entstand an ihrer Stelle das Schloss. 1593 wurde Ungarschitz an die Herren Strein von Schwarzenau verkauft, die sich daraufhin "von Ungarschitz" nannten. 1768 gelangte die Herrschaft an die Familie Collalto.

Von der zweiten Hälfte des 19. Jh. bis 1938 war Ungarschitz Bestandteil des Bezirkes Mährisch Budwitz (Moravské Budějovice).

Gut und Schloss wurden im Zuge der Bodenreform in der Tschechoslowakei 1927 enteignet.

Während der Zugehörigkeit zum nationalsozialistischen „Reichsgau Niederdonau" von 1938 bis 1945 gehörte Ungarschitz zum neu gebildeten Landkreis Horn. Während der Nachkriegsexzesse und Vertreibungsaktionen 1945 wurde ein deutscher Ortsbewohner, der bereits nach Österreich geflohen war, von den radikalen „Revolutionsgardisten" entführt und ermordet.

Nach 1945 wurde das Schloss als Kaserne und Frauengefängnis genutzt und später dem Verfall preis gegeben. Derzeit sind Renovierungsarbeiten im Gang.


Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaftlich (Ackerbau, Viehzucht, Waldbewirtschaftung) geprägtes Dorf mit Kleingewerbe. Schule seit 1866, Amtsgebäude mit ehemaliger Kapelle (17. Jh.), Arbeiterhaus, Meierhöfe (Mitrowitzer Hof und Krobotendörfl (16. bzw. 17. Jh.), Postamt.


Kulturerbe:

Schloss: Umfangreiche Anlage um vier fast rechteckige Höfe, umgeben von Mauern mit Scharten, Basteien, Rundtürmchen und Renaissance-Toren aus dem 16. und 17. Jh. Ältester Teil auf dem nördlichen, an den Freitreppenhof anstoßenden rechteckigen Hof, erbaut unter Johann von Kraig 1554. Vermauerte Lauben im 1. Stock, offene im Erdgeschoss, sonst spätgotische Teile (Tore und Wohnturm mit Wendeltreppe). Südlich anstoßend großer Hof von 1582, nach 1664 verschönert mit prachtvollen zweigeschossigen Laubengängen im südlichen Flügel. Im Erdgeschoss weite Säulenarkaden, erster Stock toskanische Säulen, beiderseits breite Freitreppen. Zwei Rustika-Tore und Fensterbekrönungen um 1670. Östlich quadratischer großer Vorhof mit umlaufenden Säulenlauben 1582. Am Torturm Wappen der Berchtold. Äußeres Schlosstor bezeichnet 1696. Inneres in reicher ausgezeichneter Erhaltung. Im kleinen Hof Räume mit Stuckrippen (1543), ferner Rokoko und klassizistisch umgestaltete Säule. Die um 1670 erbauten Flügel mit sehr reichem Stuck, besonders bemerkenswert das „Riesenzimmer" mit figürlichem Stuck. Tanzsaal im westlichen Flügel des Ehrenhofes. In allen Räumen sehr schöne Einrichtung, meist Barock bis Biedermeier. In der Schlosskapelle der hl. Juliana reich stuckiertes Stichkappengewölbe aus dem 17. Jh. Altarbild von Franz Anton Maulpertsch nahestehend. Sakristei vom Ende des 16. Jh.

Bildsäulen: Immaculata und Joh. v. Nepomuk, erste Hälfte 18. Jh.


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