Prittlach

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Postkarte mit Ansichten von Prittlach
Ortsansicht vom Dorfteich
Soldatendenkmal
Grabkreuz

Tschechischer Name: Přítluky

Fläche: 1.112 ha

Einwohner 1910: 867 in 203 Häusern (856 dt. Es.), 1930: 821 in 219 Häusern (777 dt. Ew.), 2010: 750.

heutiger Verwaltungsbezirk: Břeclav (Lundeburg)


Matriken: seit 1669.

Grundbücher: seit 1702.


Lage:

Prittlach liegt auf der linken Seite der Thaya in 175 m Höhe am Fuß des Prittling (Přítlucká hora, 292 m) östlich des Stausees Nové Mlýny (Neumühl).


Geschichte:

Prittlach wurde erstmals 1222 als Besitz des Zisterzienserklosters Welehrad erwähnt.

1222 erscheint die Namensform "Pritluh", 1229 "Britteluche" und 1362 bereits "Pritlach", verändert sich aber im 17. Jahrhundert in "Brichlach" und kommt erst im 19. Jahrhundert auf die Namensform "Prittlach" wieder zurück.

1421 wurde die Ortschaft von Hussiten niedergebrannt. 1599 kauften die Liechtensteiner Prittlach, die den Ort 1617 in die Herrschaft Eisgrub (Lendice) eingliederten.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Prittlach zweimal niedergebrannt, nämlich 1619 und 1645. 1649 und 1663 wurde die Ortschaft von türkischen Heeren überfallen. Die Folgen dieser Auseinandersetzungen und des darauf folgenden Spanischen Erbfolgekrieges führten zu einer Verarmung der Bevölkerung.

Mitte des 19. Jh. kam Prittlach zum Verwaltungsbezirk Ausptiz (Hustopeče).

Im Ersten Weltkrieg fielen 44 Männer der Gemeinde.

Im September 1938 wurden die Prittlacher Männer von tschechischem Militär zu Schanzarbeiten eingesetzt.

Im Lauf des Zweiten Weltkrieges verlor Prittlach 58 Männer. In den Kampfhandlungen in und um die Ortschaft starben vier Personen bei einem Bombenangriff, während drei Häuser durch Artillerie beschädigt wurden. Am 16. April 1945 marschierten die ersten Sowjetsoldaten in die Ortschaft ein. Danach kam es zu Übergriffen an der weiblichen Bevölkerung. Während dieser Phase wurden zwei Männer und eine Frau erschossen. Beim Herannahen der Sowjets flohen fünf Familien, zwei kehrten kurz darauf wieder zurück.

Vertreibung 1945/46: Im Mai kamen tschechische "Revolutions-Gardisten", wobei drei selbsternannte Enteignungskommissare ihre Funktion besonders rücksichtslos ausnutzten. Zwischen 22. Mai und 16. Juni 1945 wurden fast alle Deutschen von Prittlach über die Grenze vertrieben. Von Österreich wurden von Juli 1945 bis Mitte 1946 ca. 550 Personen (130 Familien) nach Deutschland abgeschoben. 47 blieben in Niederösterreich und sieben in Oberösterreich. Je eine Familie wanderte nach Kanada und Australien und drei weitere in die USA aus. In Deutschland bauten sich die meisten Familien in Württemberg ein neues Leben auf. Nur vier Familien blieben nach 1945 in Prittlach zurück.

1960 wurde Neumühl (Nové Mlýny) eingemeindet.

1993 renovierten die Prittlacher Heimatvertriebenen das Friedhofskreuz.


Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Die Bodenverhältnisse erlaubten den Anbau von hervorragendem Weizen und anderem Getreide, Hülsenfrüchten, Mohn, Kartoffeln und Zuckerrüben. Das Klima begünstigte auch den Weinbau, der allerdings durch die Reblaus nach 1900 einen Rückschlag erlitt. Daneben gab es auch Vieh- und Teichwirtschaft.

Gewerbe: außer dem üblichen Kleingewerbe ist kein größerer Gewerbebetrieb im Ort bekannt.

Einrichtungen: Armenhaus, Gemeindebücherei, Postamt, Elektrifizierung 1928, Tierarzt; Freiwillige Feuerwehr (1896), Raiffeisenkasse (1898), Milchgenossenschaft (1920), Kindergarten (1938), Unterricht gab es bereits im 16. Jahrhundert. 1844 wurde eine zweistöckige Schule gebaut die Platz für drei Klassen bot.


Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Margareta: Erster Bau aus 1218 im Jahr 1779 völlig niedergebrannt und erst 1784 wieder nach dem alten Grundriss aufgebaut. Im Presbyterium Altarbilder von Raab und Statuen des hl. Nikolaus und der hl. Katharina. Schöne Kanzel mit Reliefs; über der Sakristeitür Bild „Christi Himmelfahrt".

Pfarrhaus von 1766/67, 1779 durch Brand zerstört und wieder errichtet.

Dreifaltigkeitssäule mit Statuen des hl. Johannes von Nepomuk, hl. Wendelin und hl. Florian.

Denkmal an die „Rakwitzer Tragödie" von 1936, als die Thayafähre bei Neumühl gekentert war und 31 Schüler ertranken (siehe auch Ortsbeschreibung von Neumühl/Nové Mlýny).


heimatkundliche Literatur:

  • Ludwig, Ernst: Geschichte der Ortsgemeinde Prittlach 1220 bis 1945, 1981.
  • Ludwig, Ernst: Prittlach in Südmähren, 1992.
  • Odehnal, Karl: Chronik der Ortsgemeinde Prittlach, 2 Bände. 1993.
  • Urbin, Johann: Südmähren heute. Dokumentation über Prittlach, 1984.


Weblinks:


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