Edenthurn

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Kapelle des Erzengel Michael
Hauptplatz mit Kapelle zum Erzengel Michael. Im Vordergrund die Nepomuk-Statue

Tschechischer Name: Vracovice

Fläche: 726 ha (um 1930)

Einwohner 1910: 331 in 58 Häusern (289 deutsch), 1930: 264 in 52 Häusern (202 deutsch), 2006: 189.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)


Matriken: seit 1713 bei Schiltern (Štítary), ab 1786 bei Ober Fröschau (Horní Břečkov).


Lage:

Der Ort liegt auf 428 m Meereshöhe und 12 km westlich von Znaim (Znojmo). Er war ursprünglich als Waldhufendorf angelegt. Nachbarorte sind Ober Fröschau (Horní Břečkov) im Süden, Milleschitz (Milíčovice) im Osten und Liliendorf (Lesná) im Westen.


Geschichte:

Nach den Hussitenkriegen im 15. Jh. war die Ansiedlung der Frainer Herrschaft bis auf einen Turm verödet und wurde von bayrischen Siedlern vermutlich im 16. Jh. wieder aufgebaut. Von diesen erhielt sie den Namen „zum öden Turm" bzw. „Ödenthurm" woraus später „Edenthurn" wurde.

Seit mindestens 1671 ist das Dorf als „Edenthurn" beurkundet, ebenso erscheint der Name in Urkunden von 1718, 1720 oder 1751. Erst im 19. Jh. taucht der tschechische Name „Wracovicz", später „Vracovice" auf. Er ist vom Namen der untergegangenen ursprünglichen Ansiedlung abgeleitet, die 1323 als "Breczowicz" genannt ist.

Zuständiger Gerichtsbezirk für die ab dem 19. Jh. im Verband des Bezirkes Znaim (Znojmo) befindlichen Ortschaft war Frain (Vranov)

Die große Gemeinde wurde 1923 durch Abtretungen an die damals neugegründete Gemeinde Schönwald (Šumná, Šumvald) um mehr als die Hälfte verkleinert (urspr. ca. 1.400 ha), konnte jedoch bis 1939 ihre Selbständigkeit bewahren.

Von 1939 bis 1945 war Edenthurn durch die von den Nationalsozialisten neu geschaffene Verwaltung Ortsteil von Oberfröschau (Horní Břečkov).

Vertreibung 1945/46: Nachdem sich Teile der Wehrmacht am 7. und 8. Mai durch Edenthurn zurückgezogen hatten, verschanzten sich die Einwohner des Ortes in ihren Kellern. In der dritten Maiwoche kamen bewaffnete, tschechische nationale Milizen. Die Ortsrepräsentanten wurden in der örtlichen Schule verhört, misshandelt und danach in Znaim inhaftiert, wo sie weiteren Misshandlungen ausgesetzt waren. Dabei kam es zu zwei Todesopfern. Anfang Juni wurden die deutschen Bewohner von Edenthurn aus ihren Häusern vertrieben.


Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Die Einwohner von Edenthurn lebten in erster Linie von Ackerbau. Auch eine große Anzahl von Rindern wurde im Verhältnis zur Einwohnerzahl um 1900 gehalten. Knapp die Hälfte der Gemeindefläche machte um 1900 Waldgebiet aus.

Gewerbe: Meierhof und Kleingewerbe. Der Meierhof wurde 1923 im Rahmen der tschechoslowakischen Bodenreform aufgelöst.

Einrichtungen: deutschsprachige Volksschule (1812, 1901), tschechischsprachige Volksschule (für Kinder von Arbeitern auf dem Meierhof, 1920er Jahre), Freiw. Feuerwehr (1888), Spar- und Darlehenskasse (1905).


Kulturerbe:

Kapelle zum Erzengel Michael: 1761 erbaut, 1802 Sakristei angebaut. Im Turm drei Glocken, 1888 in Wr. Neustadt umgegossen.

Ruine Schenkenberg (Hrad Šimperk, Šenkenberk): drei km nördlich des Ortes.

Statuen, Bildstöcke: Johannes von Nepomuk, Dreifaltigkeitsmarterl mit „Schwedengrab" unterhalb der Ruine (am Ortsausgang Richtung Milleschitz (Miličovice)), Marterl mit Kreuzwegstationen, verschiedene Kreuze.


Siegel:

Ein Gemeindesiegel aus dem 19. Jahrhundert zeigt das Bild der 1761 errichteten St. Michaelskapelle mit ihrem 22 m hohen Turm neben einem Baum. Die Umschrift im Oval lautet „GEMEINDE EDENTHURN". Bereits vor 1919 wurde jedoch nur noch ein bildloser Gemeindestempel mit der Umschrift "Gemeindeamt Edenthurn" verwendet, dem in den Zwanzigerjahren bis 1938 ein zweisprachiger Stempel folgte.


Weblinks:


Genealogie:


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